Achtung Hirnpflicht!
Martins Blog

In den Herbstferien 2024 waren meine Tochter (zu dem Zeitpunkt 11 Jahre alt) und ich 11 Tage auf Reisen (zum Unterschied von Urlaub und Reise vielleicht an anderer Stelle). Wir haben uns für Italien entschieden, auch wenn der Zeitpunkt (14. bis 25. Oktober) vielleicht ungeeignet wirkt.

Da wir seit März 2024 das #LebenOhneAuto - recht erfolgreich, würde ich sagen - leben, waren Auto (und Flugreise natürlich auch) keine Option. Wenn wir den Planeten nicht völlig zu Grunde richten wollen, müssen ja früher oder später Alternativen her - und diese Reise war ein weiterer guter Anlass, diese zu testen:

1. Reiseverbindungen

Ich wollte meiner Tochter mind. Rom, Florenz, Pisa (also: eigentlich nur den Turm) und Venedig zeigen. Dafür waren (1) Hin- & Rückfahrt durch insg. drei Länder (D, A, I oder D, CH, I) und (2) mind. drei Städte-Transfers notwendig.

1.1 Option Interrail

Geht Interrail? (Quelle, CC by-sa-4.0)

Die erste Überlegung war, via Interrail zu reisen. Dazu wäre mind. ein "Global Pass" mit mind. 7 Reisetagen notwendig, wenn man aus dem Ruhrgebiet startet: Je zwei für Hin- und Rückfahrt und drei für die Transferverbindungen. Für die initiale Fahrt in die italienische Hauptstadt würde man

  • ohne Zuschläge ca. 25 bis 28 Std. (z.B. über Basel und Mailand) benötigen, sich mit 7 bis 10 Umstiegen mit bis zu 4-stündigen nächtlichen Aufenthalten arrangieren müssen, oder
  • mit Zuschlägen für Schnell- und Nachtzüge, der gerne übersehenen „Brenner-/Tarvisio“-Transfergebühr und ggf. Sitzplatzreservierungen 14 bis 18 Std. benötigen,

und müsste für die Rückfahrt entsprechend vergleichbare Zeiten berücksichtigen.

Der Interrail Global Pass für einen Erwachsenen und ein Kind unter 12 Jahre kostet etwa 380,-, womit man das gesamte Paket von Hin- und Rückreise abgedeckt hätte.

1.2 Option Fern-/Nachtzug + Interrail - Kombi

... oder lieber Nachtzug? (Quelle, gemeinfrei)

Alternativ kann man

  • den DB-Fernverkehr nach München,
  • einen ÖBB NightJet nach Rom,
  • drei bis vier Tage Interrail, dann nur einen "Ein-Länder-Pass" für Italien (3-Tage, 1 Erw., 1 Kind: 165€),
  • einen NightJet von Venedig nach München und
  • DB-Fernverkehr nach Hause buchen.

Eine ICE-Verbindung nach Süddeutschland kostet bei frühzeitiger Buchung zw. 60 und 90 €, die Rückfahrt etwa das Gleiche.
Der NightJet schlägt je nach Buchungszeitpunkt (dank "dynamischer Preisentwicklung" 🙄; Empfehlung: Mind. 8 Wochen vor der Reise) und "Unterbringungsart"

zu Buche. Die NightJet-Preise werden durch verschiedene Abstufungen wie "standard", "comfort" und "comfort plus" (meint: WC auf dem Gang, WC im Abteil, mit oder ohne Dusche, mit oder ohne Frühstück, etc.) sowie Ticketarten wie "Non-Flex", "Semi-Flex" und "Flex" (verschiedene Umbuchungs- und Stornierungsbedingungen) - zumindest für mich als Einsteiger - weiter verkompliziert.

Insgesamt kostet die ICE + NightJet + Interrail-Option - je nach gewünschtem Komfort - ca. 385,- bis 750,- € für Hin- und Rückfahrt.

Zum Vergleich (Achtung, Milchmädchenrechnung!):
Mit dem Pkw benötigt man eine Nettofahrtzeit von ca. 15 Std. für 1.500 km je Strecke und müsste

  • ca. (15 * 7 Liter * 2,- € * 2 (Hin/Rück) =) insg. 420,- € Kraftstoffkosten oder
  • ca. (15 * 16kW * 0,5 € * 2 Hin/Rück =) insg. 250,- € Ladekosten kalkulieren,

eine Flugverbindung benötigt 2h je Strecke und kostet Hin + Rück zwischen 150,- und 400,- €, je nach Tageszeit, Buchungszeitpunkt, Gepäckumfang und Stornierungsbedingungen.

Wir haben uns für die ICE + NightJet + Interrail-Option entschieden - nicht zuletzt wg. des Komforts eines Nachtzugs und der reduzierten Umstiege ☺️
Das war übrigens unsere erste Nachtzugreise.

Hinweis für Nachahmer:innen:
Wenn man getrennte Buchungen für DB/ICE und ÖBB/NightJet vornimmt, gibt es keinerlei Mobilitätsgarantien. Daher sollten entsprechende Puffer eingeplant werden.

2. Wie lief die Hinreise?

Kurz: Durchwachsen 😉 - wir sind am 14.10. mit dem Regionalverkehr nach Duisburg gefahren, um den ICE 625 von Duisburg nach München zu nehmen. Die Ankunft in München war für ca. 17 Uhr geplant, obwohl der NightJet erst um ca. 20 Uhr starten sollte. Wer Erfahrungen mit der DB hat, weiß warum...

Ging ja gut los ...

Nachdem unser Einstiegspunkt Duisburg Hbf als Halt entfallen ist und die Zugbindung aufgehoben wurde, schaltet man halt in den "Bahnsurfing"-Modus und nimmt die Verbindungen, die grob in die richtige Richtung fahren. Wir sind trotzdem etwa um 17:30 Uhr in München angekommen und 2,5 Std. durch die Stadt geschlendert, haben was gegessen und uns dann zur Abfahrt des Nachtzugs eingefunden, um festzustellen, dass sich auch seine Abfahrt um 1 Std. verzögert.

Um etwa 21 Uhr ging es dann los - für uns zum ersten Mal in einem Nachtzug. Um meine Tochter nicht direkt völlig abzuschrecken, hatten wir ein 2-Personen-Abteil gebucht. Der NJ 295 ist ein NightJet der "neuen Generation", wir hatten die Option "Liegewagen comfort". Unser Timing, in 2024 direkt einen der neueren NightJets zu erwischen, war ziemlich gut - und nicht zuletzt das Wörtchen "comfort" hat schon einen Unterschied gemacht: Mitreisende in den "Mini Cabins" genannten Schlafkapseln haben uns einmal probeliegen lassen. Auch wenn diese Raumwunder an anderer Stelle nachvollziehbar gelobt werden, fand ich die Kabinen doch etwas beengend - das mag aber an meinen persönlichen Präferenzen liegen. Und: Die "Kletteroptionen" der Liegewagen-Abteile bei Reisen mit Kindern sind übrigens kaum zu überschätzen 😉

Bad/Dusche/WC auf dem Gang war völlig ausreichend, rund um die Mini Cabins findet sich noch eine bunte Gruppe Mitreisender, mit denen man leicht ins Gespräch kommt: Woher? Wohin? Wie weiter? Wie lange schon ohne Auto? Die Atmosphäre erinnert ein bisschen an die Begegnungen mit anderen Radwandernden auf den Campingplätzen oder in Hostels. Dann: Ab ist Bett.

Wir haben sehr gut geschlafen, die oft gelobte Laufruhe von Nachtzügen kann ich nur bestätigen: Die Nacht war erstaunlich erholsam. Der Weckservice war etwas unsanft 😉 - das Frühstück aber sehr ok. Eins der Dinge, die Nachtzugreisen ebenfalls ausmacht: Man hat etwa 900 km zurückgelegt, nette Leute getroffen, gut geschlafen, bekommt Kaffee "ans Bett" und schaut beim Frühstück in die Landschaft (bei uns: in toskanische Weinberge nordöstlich von Florenz):

Die Menschen mit Florenz als Ziel wurden nun etwas hektisch, da Weck-, Frühstücks- und Ankunftszeit etwas knapp bemessen sind, wir haben bis Rom noch etwa 3,5 weitere Std. Zeit, um entspannt zu duschen, zu packen und die weiteren Schritte vorzubereiten. Wir sind am 15.10. um etwa 12 Uhr (insg. ca. 15 Std.) im Roma Tiburtina eingelaufen.

3. Unterkünfte, Vor-Ort-Mobilität und Transferverbindungen

Als Rucksackreisende - und vom Randwandern camping-erprobt - haben wir als Unterkünfte vor allem Campingplätze bevorzugt. Das muss man wollen ... und abkönnen 😂
Dass es rund um italienische Großstädte und Tourismuszentren Campingplätze gibt, hat mich auch etwas überrascht.

3.1 Rom

Der erste (und längste) Stopp war die italienische Hauptstadt. Wir hatten fast 4 ganze Tage Zeit, und haben uns das Programm einigermaßen vollgepackt. Aber das "klassische Sightseeing" ist natürlich eh nur eingeschränkt teenager-tauglich. Ein paar Tickets (Kuppel des Petersdoms, Katakomben der Engelsburg, etc.) haben wir im Vorfeld organisiert.

Unterkunft

Unser Zelt inmitten von Wohnmobilen in Rom

Wir haben auf einem Campingplatz der Kette "hu open air" - "Roma Camping In Town" - gewohnt; der liegt an der Via Aurelia 831, etwa 7,5 km außerhalb des Stadtzentrums. Dedizierte Zeltplätze gab es dort nicht, Zelte werden in den Parzellen, wie sie auch für Wohnmobile und Wohnwagen vorgehalten werden, aufgebaut. Ich fühle mich mit unserem kleinen Zelt zwischen den recht wuchtigen Campingmobilen manchmal nur eingeschränkt wohl, aber als Schlafplatz reicht das natürlich völlig aus.

Außerdem sind die Parzellen recht groß - also wenn man ein Zelt mit < 4 m² Grundfläche statt eines 4,5m langen und 2m breiten Wohnmobils dort platziert 😉 Die Ausstattung - von Sanitäranlagen über Waschmaschinen bis zur Grundversorgung - ist mehr als ausreichend (aber der Pool war im Oktober leider schon geschlossen).

Mobilität

Liniennetz der römischen Metro (Quelle, CC0)

Als Mobilitätsform vor Ort bieten sich die Metro (Metropolitana di Roma) oder eins der verschiedenen Leihrädersysteme an. Für unseren Fall - vor allem den regelmäßigen Campingplatz-Zentrum-Transfer von etwa 12km - haben wir direkt bei Ankunft in Rom ein 7-Tage-Ticket der atac für alle Busse und Metrolinien organisiert. Zwei der drei Hauptlinien der römischen Metro - die Linien A und B - bilden ein diagonales Kreuz unter der Stadt, dessen Schnittpunkt durch den Bahnhof Tiburtina gebildet wird. Damit kann man als Tourist:in gefühlt 90% aller Wege recht gut meistern.

Falls eine Reststrecke von einer Metro-Haltestelle zum eigentlichen Ziel zu weit zum Laufen war, kann man recht leicht die entsprechenden Busse nutzen. Die gängigen Kartendienste wie Google Maps oder Apple Maps haben in der Routenplanung eine Option für öffentliche Verkehrsmittel, deren Linien- und Abfahrtanzeige ziemlich verlässlich funktioniert.

Was wir gesehen haben

Vor allem die "Klassiker": Kolosseum, Pantheon, Forum Romanum, Petersdom (mit Kuppelbesteigung), Engelsburg (incl. Grabkammern darunter), Circus Maximus mit VR-Tour (zu 95% kindgerecht, am Ende wird allerdings eins der virtuellen Pferde überraschend von einem Streitwagen überrollt), Spanische Treppe, Trevibrunnen u.v.m.

Transfer

Wir sind am 19.10. - also nach vier Tagen - mittags weiter zum Firenze Santa Maria Novella gefahren. Dazu haben wir einen (sehr schnellen) Frecciarossa der TrenItalia über die Interrail-App gebucht, die zusätzlichen (zwingend notwendigen!) Reservierungen und Gebühren sind entweder direkt über die Interrail-App oder über eine dort verlinkte Webseite der TrenItalia möglich. Die Reservierungsgebühr lag bei überschaubaren 13,- € je Person. Die 280 km lange Fahrt dauert lediglich etwa 1,5 Std.

 

Menschen warten auf die Ankündigung ihres Zuges vor dem Zutritt zum Gleis

Die Abwicklung der Abfahrt an italienischen Bahnhöfen ist für Menschen, die nur deutsche Bahnhöfe kennen, etwas gewöhnungsbedürftig. Wie in anderen Ländern auch, sind die eigentlichen Bahnsteige nämlich nicht betretbar und keine Wartezone. Vielmehr wartet man vor dem Zugang zu den Gleisen auf die Anzeige des eigenen Zuges, da das Abfahrtgleis oft erst 10 Minuten vor Abfahrt angezeigt wird.

 

Erst dann begibt man sich zum entsprechenden Gleis, Zugang durch die Drehkreuze, Schranken oder Türen erhält man meist durch das Scannen des digitalen Tickets (oder des QR-Codes auf dem papiernen Ausdruck, was aber deutlich schlechter funktioniert).

3.2 Florenz

Nächster Stopp also Florenz - die Stadt von Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Machiavelli und Galileo Galilei. Die Renaissance, die Kultur- und Wissenschaftsorientierung quillt aus jeder Pore dieser Stadt.

Unterkunft
Unser florentinisches Quartier war ebenfalls ein Campingplatz oben genannter Kette "hu", diesmal - logisch - "Firenze Camping in Town" an der Via Generale C. A. dalla Chiesa, 1/3. Auch hier wurden wir irgendwo zwischen die Campingmobile gesteckt. Die Ausstattung war ebenso ok wie diejenige in Rom (und auch hier war der Pool bereits für den Herbst geschlossen).

Mobilität
Da wir bereits zwei Tage später weiter wollten, haben wir uns erst gar nicht um Mehrtagestickets für den ÖPNV, der in Florenz zum allergrößten Teil aus Bussen besteht, gekümmert. Das gesamte Zentrum lässt sich gut zu Fuß erschließen, den Campingplatz-Zentrum-Transfer von ca. 5 km haben wir mit Einzeltickets (ca. 1,70 € pro Person, für 90 min. in allen Bussen gültig) geregelt. Die Tickets der Autolinee Toscane lassen sich direkt im Bus kontaktlos mit dem Handy kaufen.

Was wir gesehen haben

Die Piazza della Signoria mit der Loggia dei Lanzi, die Uffizien, die Cattedrale di Santa Maria del Fiore mit ihrem Campanile Giottos und - Empfehlung! - das Leonardo Interactive Museum, wo man Nachbauten von da Vincis Maschinen ausprobieren, selber welche zusammenbauen und die berühmte Leonardo-Brücke konstruieren kann.

Transfer
Am 21.10. stand der Transfer nach Pisa an: Mit einem Regionale (von TrenItalia), der im Interrail-Pass inkludiert ist, kommt man in unter 1 Std. die ca. 80 km von Florenz nach Pisa.

3.3 Pisa

Im Gegensatz zu anderen toskanischen Städten ist Pisa - no offense - weniger spektakulär. Aber den Turm (Torre pendente di Pisa) und die Cattedrale di Santa Maria Assunta auf dem Piazza dei Miracoli sind schon einen (Kurz-) Besuch wert 😉

Unterkunft

Zeltplatz in Pisa

Wir sind in Laufweite (ca. 1 km) zum Schiefen Turm - dem "Torre pendente di Pisa" - auf dem Campingplatz "Torre Pendente" untergekommen, und der Platz war ein echter Glückstreffer. Denn hier fanden wir im hinteren Bereich noch eine dieser "altmodischen", nicht ausschließlich auf das "VanLife" optimierten Zeltwiesen vor, wo man sein Zelt frei auf einer großen Fläche platzieren kann.

Und der Pool war geöffnet! 🎉

Mobilität
Pisa ist (a) recht überschaubar und hatte (b) für uns auch gar nicht sooo viel zu bieten. Und da der Zeltplatz halbwegs zentral liegt, waren wir ausschließlich zu Fuß unterwegs.

Was wir gesehen haben

Transfer
Bereits am nächsten Tag (22.10.) ging es via Regionalexpress (im Interrail-Pass enthalten, s.o.) zurück nach Florenz und von dort mit dem Frecciarossa nach Venedig - wiederum für 13,- € zusätzliche Reservierungsgebühr pro Person.

3.4 Venedig

Letzter Stopp der Reise: Venedig. La Serenissima. Wenn wir ehrlich sind: Vor allem das historische Zentrum auf den insg. 127 Inseln in der Lagune von Venedig. Sollte eigentlich jeder einmal gesehen haben - und die Zeit drängt ein wenig: Im letzten Jahrhundert ist die historische Altstadt rund 25 cm abgesackt, bei gleichzeitigem Meeresspiegelanstieg um ca. 30 cm 😯

Zeltplatz auf dem Festland

Unterkunft
Auch in Venedig haben wir einen hübschen Zeltplatz gefunden, interessanterweise in Fusina/Marghera - also auf dem Festland und in einer Gegend, die aufgrund von Hafen und Industriegebiet eher als "hässliche Schwester" des touristischen Venedig gilt. Der Campingplatz "Camping Fusina" besticht aber durch "echte" Zeltwiesen statt Campingmobil-Parzellen und durch einen tiptop Ausblick auf die Lagune. Die Ausstattung - trotz des hier hervorgehobenen "Designs von Carlo Scarpa" - mutete ein wenig altbacken an, war für uns aber mehr als ausreichend 😉

Blick vom Zeltplatz Richtung historischer Altstadt

Mobilität
In Venedig selber geht man natürlich zu Fuß - oder fährt Wassertaxi, Gondel oder nutzt andere Wasserfahrzeuge. Der Transfer vom Zeltplatz nach Venedig läuft mittels "Wasserbus", der zwischen Fusina und Zattere ("Fondamenta delle Zattere" ist eine Anlegestelle am Canale della Giudecca im Süden des historischen Stadtzentrums Venedigs) hin zwischen 08.00 und 19:00 Uhr und zurück zwischen 08:30 und 19:30 Uhr stündlich verkehrt und je Strecke etwa 20 Min. benötigt. Die Anlegestelle ist vom Campingplatz in 3 Minuten zu Fuß erreichbar. Das Ticket kostet für Erwachsene 10,- €, für Kinder 5,- €, ein 3-Tage-Ticket 32,- € (Erwachsene) bzw. 16,- € (Kinder).

In der historischen Altstadt bieten sich - neben den Hop-On-/Hop-Off-Booten und speziell auf Tourist:innen ausgerichteten Angeboten vor allem die von AVM ("Azienda Veneziana della Mobilità") angebotenen "Vaporetti" - öffentliche Wasserbusse - an. Auf ca. 20 Linien kann man Rund- oder Ausfahrten selbst organisieren und kommt günstig bis nach Murano oder zum Lido di Venezia, bei längeren Aufenthalten können Mehrtagestickets helfen.


Was wir gesehen haben

Vor allem: Venedig 😉 - also Kanäle, Schiffe, Boote, Gondeln. Es gibt ein breites Angebot von Rundfahrten, die Museen und Dombesichtigungen haben wir größtenteils ausgelassen. 

4. Wie lief die Rückreise?

Zeit zur Abreise: Das Zelt säuft ab 😄

In den letzten Tagen verließ uns auch langsam das Glück mit dem Wetter. Daher war es nur halb so schlimm, als die Abreise nahte: Am 24.10., 21:00 Uhr ab Venezia Santa Lucia.

Der NightJet - diesmal einer der älteren Modelle, wir hatten ein 2-Personen-Schlafwagen-Abteil - wollte um ca. 06:00 Uhr am nächsten Tag in München sein. Das hat aus mehreren Gründen nicht geklappt: Zuerst verzögerte sich die Abreise um ca. 1 Std. und dann wurden wir auf freier Strecke am Grenzübergang zwischen Salzburg (A) und Freilassing (D) angehalten und kamen in den Genuss einer Grenzkontrolle zur Eindämmung der "irregulären Migration".

Schlafwagen im NightJet

Um 4 Uhr morgens von der Bundespolizei durch nachdrückliches Hämmern an die Abteiltür geweckt zu werden, war schon etwas schräg - aber auch die Beamt:innen hatten scheinbar nur begrenzt Bock auf die Aktion. Die Ausweiskontrolle dauerte nur 1 min., meine Tochter hat den insg. ca. 45-minütigen Stopp konsequent verschlafen.

Die Ankunft in München um ca. 08:00 (statt 06:00) Uhr hatte entsprechende Auswirkungen auf unsere Anschlüsse ins Ruhrgebiet: In solchen Fällen fällt einem der "Super-Sparpreis" der Deutschen Bahn und der damit einher gehende Ausschluss von Stornierung und Umtausch (abgesehen von der 3-Std.-Sofortstornierung) natürlich etwas auf die Füße.

Aber mit etwas Glück und auch ohne Sitzplatzreservierung sind wir etwa um 14:00 Uhr wieder zu Hause eingetrudelt.

5. Lessons learned

Variabel bleiben: Auch wenn das Datum des Urlaubs (oder der Schulferien) frühzeitig feststeht, sind Zwischenübernachtungen, Nachtfahrten oder eine Abreise einen Tag später oft Möglichkeiten, weniger beliebte Verbindungen zu deutlich günstigeren Preisen zu bekommen. Eine Nacht im Billighotel oder einem Hostel in München können ggf. den unbeliebten (= günstigeren) Fahrtzeiten der Züge kombiniert werden.

Frühzeitig buchen: Habe etwa ab März (für Oktober!) die Verbindungen und Preisentwicklung der NightJet-Verbindungen beobachtet, allerdings war die gewünschte Verbindung (+/- 2 Tage, s.o.) aufgrund einer Streckenbaustelle erst ab Juli 2024 verfügbar. Früh zu klicken, lohnt sich. Dafür sollte man Verbindungen und Angebote im Blick halten.

Nachtzug: Jederzeit wieder. Auch wenn bei Bahnreisen "der Weg das Ziel" ist - Arbeits-, Spiele-, Lesezeit statt Autobahnhypnose - ist das Reisen über Nacht tatsächlich eine effektive Fortbewegungsart. Aber sicherlich nicht die günstigste...

Sparen = Weniger Flexibilität: Die Vergünstigungen bei (Super-) Sparpreisen (DB) oder die Entscheidung für "Non-Flex"- oder "Semi-Flex"-Optionen (NightJet) gehen oft mit kostenpflichtigen oder stark eingeschränkten Stornierungsoptionen einher. Hier muss man abwägen, wie viel Spontaneität der Geldbeuten zulässt. Eine spontan um einen Tag vorgezogene Rückfahrt aufgrund schlechten Wetters hätte uns 350,- € gekostet 😮

Wetter: Oktober ggf. nicht die beste Zeit für Italien. Bei Camping oder Zelt: Entsprechendes Equipment und mehr Wechselsachen berücksichtigen, bei Campingplätzen auf Wasch- und Trocknungsmöglichkeiten achten.

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